Teil 1: Ekstatisches Nachtleben vs. Gnadenlose Kulturarbeit

Dimitri Hegemann, Raumforscher und Clubbesitzer des Tresor in Berlin spricht über die Zukunft der Kulturarbeit und verrät sein schönstes Tresor-Erlebnis… (Teil 2)

Herr Hegemann, in wie weit tritt der Tresor mit den Jugendlichen in Verbindung?

Es ist häufig eine Kette von Zufällen. Also manchmal rufen dich die Kids, die häufig keinen Job haben, aus Saarbrücken oder so an, und sagen: ‘Hey, wir würden gerne einen Ort aufbauen. So eine Art unabhängiges Jugendzentrum, aber wir schaffen das nicht!’

Wir hatten oft so Tresor-Parties in der Provinz, wo die Jugendlichen in eine bestehende Diskothek gehen und sagen: ‘So, wir machen jetzt auch eine Tresorparty!’ Das geht aber nicht, weil diese Räume andere Qualitäten haben als der Tresor.

Darum spreche ich mit den Kids und setze mich mit den Städten in Verbindung, um dieses Vorhaben zu unterstützen. Wir regeln also das Rechtliche. Denn eigentlich wollen wir die Leute dahin bewegen, dass sie ihre Versammlungsstätten selber aufbauen.

Wie soll der Tresor in Zukunft finanziert werden?

Wir planen da gerade so eine Community wie facebook. Auf facebook haben wir nämlich schon ca. 70.000 – 80.000 Menschen. Wir sagen unseren Fans und Freunden auf facebook: ‘Wir brauchen unbedingt eine Sprinkleranlage für die Sicherheit, die uns 200.000 € kostet. Könnt ihr uns helfen, denn die Banken spielen nicht mit.’ Als Gegenwert haben wir uns Folgendes überlegt: Jeder der uns einen Zehner gibt, erhält als Gegenwert einen Gutschein von z.B. 12,50 €. Den kann man dann im Tresor verjublen… für Bier, Eintritt, T-Shirts, Musik, was auch immer.

Wo sehen Sie Berlins wirtschaftliche Kraft?

Unser Wirtschaftfaktor ist dieses „Kreativwirtschaft-Thema“ und das ihr feiert, ist auch ‘n Wirtschaftsfaktor.

Was war Ihr spannendstes Erlebnis im Tresor?

Ein schönes Erlebnis im Tresor war folgendes. Eines Mittwochabends ging ich zum Tresor und las so’n Zettel von der Polizei an der Tür, auf dem draufstand: ‘Wir mussten die Tür aufbrechen. Holen Sie bitte den Schlüssel bei uns ab!’ Und ich wusste nicht warum. Als ich das las bekam ich Schiss, weil der Tresor auch so’n bisschen illegal war. Ich sagte ja schon, dass in den ersten drei Jahren nichts so wirklich registriert war. Dann haben wir ‘n Mädchen aus dem Team zur Polizei geschickt, die nachfragen sollte. Als sie wieder herauskam, meinte sie: „Mensch, wißt ihr was passiert ist? Wir haben am Sonntag jemanden vergessen. (lacht) Da war ein Mädchen von Sonnatg bis Mittwoch eingeschlossen, die fand das erst ganz gut, hat sich augeschlafen, das Obst gegessen und dann noch ein bisschen gefeiert, indem sie die Anlage aufgedreht hat. Am dritten Tag hat sie dann aber die Feuerwehr angerufen.

Interview von Maren Kreft und Malin Ciezla

Hier geht es zum Video

Und hier geht es zum zweiten Teil des Interviews „Architektur vs. Rauminspiration“

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3 Antworten zu Teil 1: Ekstatisches Nachtleben vs. Gnadenlose Kulturarbeit

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